BDO International Business Compass

Index internationaler Standorte für den Mittelstand

Säule 2: Politisch-rechtliche Rahmenbedingungen

Die politische Lage und die politische Stabilität eines Landes spiegeln sich in den politischen Rahmenbedingungen wider. Rechtliche Maßzahlen bilden die rechtlichen Eigenschaften des Auslandsmarktes ab. Vorteilhafte politische Rahmenbedingungen wie ein effektiver, nicht überregulierter Staat mit einer zuverlässigen und unabhängigen Rechtsprechung schaffen beispielsweise einen vorteilhaften Rahmen für wirtschaftliche Aktivitäten und Initiativen, haben aber auch entscheidende Bedeutung für die sozialen Rahmenbedingungen in einem Land.

Die Variable Politische Stabilität dient als Indikator für den Grad der politischen Stabilität und Gewaltfreiheit. Die Variable reflektiert die Wahrnehmung der Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung durch nicht-verfassungsgemäße oder gewalttätige Maßnahmen destabilisiert oder gestürzt wird, einschließlich politisch motivierter Gewalt und Terrorismus.[1] Je stabiler die politischen Verhältnisse, desto größer kann der Horizont für die Planung wirtschaftlicher Aktivitäten sein. Beispielsweise können in einem stabilen Umfeld Investitionsentscheidungen langfristiger geplant werden. Der Indikator Regulatorische Qualität misst die Durchsetzungs- und Umsetzungsfähigkeit der Regierung im Hinblick auf die privatwirtschaftliche Entwicklung.[2] Die Variable spiegelt die Wahrnehmung über die Fähigkeit der Regierung wider, eine vernünftige Politik und Regulierung zu formulieren und umzusetzen, die die Entwicklung des Privatsektors erlaubt und fördert. Je größer die Toleranz beziehungsweise aktive Unterstützung des Privatsektors seitens der Regierung, desto positiver ist das Klima für privatwirtschaftliche Aktivitäten. Rechtsstaatlichkeit misst den Grad des Vertrauens in und des Einhaltens von Gesetzen. Der Indikator reflektiert die Wahrnehmungen, in welchem Ausmaß die Akteure den Gesellschaftsregeln zu vertrauen und Folge zu leisten scheinen; mit besonderem Augenmerk auf die Qualität der Vertragsvollziehung, Eigentumsrechte, Polizei, Gerichte sowie die Wahrscheinlichkeit von Verbrechen und Gewalt.[3] Je höher dieser Grad, desto stärker können sich die Akteure auf das rechtliche Rahmenwerk im Allgemeinen und im Besonderen bei wirtschaftlichen Aktivitäten verlassen. Korruptionskontrolle dient als Indikator für Ausmaß des Korrumpierens der öffentlichen Hand und spiegelt die Wahrnehmung des Ausmaßes wider, in dem die öffentliche Gewalt zu privatem Nutzen ausgeübt sowie der Staat durch Eliten und von privaten Interessen vereinnahmt wird.[4] Je größer das Ausmaß der Korruption, desto undurchsichtiger werden wirtschaftliche Aktivitäten und mit desto höheren zusätzlichen Kosten ist zu rechnen. Die Handelsfreiheit ist eine Maßzahl für das Fehlen tarifärer und nichttarifärer Handelshemmnisse.[5] Je weniger Barrieren den Handel beschränken, desto leichter können Güter und Dienstleistungen exportiert und importiert werden. Die Investitionsfreiheit misst das Ausmaß der Beschränkungen für den Fluss von Investitionskapital. Hierbei werden die Behandlung ausländischer Direktinvestitionen, Gesetzgebung für ausländische Direktinvestitionen, Beschränkung von Landbesitz, Beschränkung von Investitionen in bestimmte Sektoren, Enteignung ohne angemessene Entschädigung, Kontrolle von Devisenhandel und Kapitalkontrollen berücksichtigt.[6] Je geringer die Einschränkungen für Investitionskapital, desto leichter können Investitionen getätigt, aber auch bereits investiertes Kapital wieder abgezogen werden.



1 Vgl. Kaufmann et al. (2010), 4.

2 Vgl. Kaufmann et al. (2010), 4.

3 Vgl. Kaufmann et al. (2010), 4.

4 Vgl. Kaufmann et al. (2010), 4.

5 Vgl. Miller et al. (2012), 461-463.

6 Vgl. Miller et al. (2012), 463-464.