BDO International Business Compass

Index internationaler Standorte für den Mittelstand

Datenauswahl

Die Stärken und Schwächen eines Index hängen sehr stark von der Qualität der zugrundeliegenden Variablen ab. Deswegen wurde bei der Auswahl nicht nur auf die Relevanz der Variable geachtet, sondern auch die Genauigkeit, Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit und Verfügbarkeit der Variable in Betracht gezogen.[1] Bei der Auswahl der Teilindikatoren wurden bewusst nur Daten von offiziellen internationalen Quellen verwendet. Quellen wie die Weltbank, die OECD, die Vereinten Nationen oder der Internationale Währungsfond zeichnen sich dadurch aus, dass sie zuverlässige Daten für eine sehr große Anzahl an Ländern - wenn nicht allen - öffentlich zugänglich zur Verfügung stellen. Ein Augenmerk lag auch auf der Datenbreite der einzelnen Indikatoren; das heißt eine Variable sollte für eine möglichst große Länderanzahl vorliegen, um ein möglichst großes Länderpanel untersuchen zu können. Diese internationalen Daten sind so aufbereitet, dass sie zwischen Ländern vergleichbar sind, trotz nationaler unterschiedlicher Definitionen oder Statistiken wie beispielsweise bei der Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig erhöht die Verwendung dieser Daten die Transparenz des Indikators, weil die Teilindikatoren jederzeit einzeln nachvollzogen werden können.

Die Studie berücksichtigt 174 Länder in 17 Regionen auf allen Kontinenten, wie in Anhang A aufgelistet. Basierend auf der Klassifizierung der Vereinten Nationen umfasst die Analyse die Regionen Östliches Afrika, Mittleres Afrika, Nördliches Afrika, Südliches Afrika, Westliches Afrika, Nördliches Amerika, Lateinamerika und Karibik, Zentralasien, Östliches Asien, Südliches Asien, Süd-Östliches Asien, Westliches Asien, Östliches Europa, Nördliches Europa, Südliches Europa, Westliches Europa sowie Ozeanien.[2] Wie in Anhang B aufgelistet, wurden keine Länder mit einer Bevölkerung von weniger als 150.000 Einwohnern beziehungsweise generell keine Länder mit mangelnder Datenverfügbarkeit wie Kuba, Nordkorea, Somalia, Westjordanland und Gazastreifen sowie Westsahara berücksichtigt. Luxemburg wurde nicht berücksichtigt, weil das Land als Zentrum für finanzielle Dienstleistungen einige Besonderheiten in den hier betrachteten Variablen wie Pro-Kopf-Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen aufweist. Diese Eigenschaften hätten zu extrem schiefen Verteilungen und damit Verzerrungen bei der Normalisierung geführt. Die Variablen, die zur Indexbildung hinzugezogen wurden, sind in Anhang C detailliert aufgelistet.

Die in Abschnitt 3.1 vorgestellten Indikatoren sind eine Mischung aus einfachen Variablen, wie das Pro-Kopf-Einkommen, und zusammengesetzten Indikatoren, wie Rechtsstaatlichkeit, Gesundheit, Investitionsfreiheit oder Qualität der Infrastruktur. Eine berechtigte Frage ist, ob eine derartige Mischung zulässig und sinnvoll ist. Aus statistischer Sicht spricht nichts dagegen, solange keine Variable als singulärer Indikator berücksichtigt wird, die bereits Teil eines Indikators ist, der mehrere Einzelfaktoren aggregiert. Dass hätte zur Folge, dass der gleiche Aspekt zweimal in die Kalkulation des Index einfließt, also doppeltes Gewicht am Endergebnis hat.[3] Die ausgewählten Indikatoren, die mehrere Variablen aggregieren, sind eine sinnvolle Wahl, weil die entsprechenden Aspekte unmöglich durch eine Variable reflektiert werden können.[4] Zum Beispiel bildet der Indikator Qualität der handels- und transportbezogenen Infrastruktur mehr ab als nur die Kilometer des Straßen- oder Schienennetzes. Anders formuliert wurden diese Indikatoren genau aus dem Grund erstellt, um zu ermöglichen, ein multidimensionales Konstrukt abzubilden.



1   Vgl. OECD (2008), 45.

2 Aufgrund der geringeren Datenverfügbarkeit für kleine (Insel)Staaten wurden in Ozeanien die Regionen Melanesien, Mikronesien, Polynesien und Australien und Neuseeland unter Ozeanien zusammengefasst.

3 Vgl. OECD (2008), 32.

4 Zu diesen Indikatoren zählen Politische Stabilität, Regulatorische Qualität, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionskontrolle aus den Worldwide Governance Indicators, Gesundheit und Bildung aus dem Human Development Index, Geschäftsfreiheit, Handelsfreiheit, Investitionsfreiheit und Arbeitsfreiheit aus dem Index of Economic Freedom und die Qualität der Infrastruktur aus dem Logistics Perfomance Index.