BDO International Business Compass

Index internationaler Standorte für den Mittelstand

Multivariate Analyse

Die Auswahl der Indikatoren basiert auf dem theoretischen Rahmen, wie in Abschnitt 3.1 beschrieben. Die theoretische Relevanz eines Items war folglich das Auswahlkriterium, das konsistent für alle Indikatoren verwendet wurde.[1] Trotzdem ist zu überprüfen, wie genau die Items des Index beziehungsweise der Teilindizes das jeweilige Konstrukt messen. Dazu wurde eine Analyse des Cronbachs Alpha durchgeführt.[2] Cronbachs Alpha ist die am häufigsten verwendete Maßzahl, um die interne Konsistenz einer Skala, die sich aus mehreren Variablen zusammensetzt, zu prüfen.[3] Wegen der großen Varianzen der einzelnen Indikatoren wurden die Indikatoren zunächst auf eine Standardabweichung von eins und einen Mittelwert von Null standardisiert.

Der Alpha Koeffizient beträgt 0,9192 für die 20 Items, die in den Index einfließen, was für eine relativ hohe interne Konsistenz spricht.[4] Cronbachs Alpha beträgt 0,7412 für die acht Items der Dimension Ökonomische Rahmenbedingungen, eine der drei Dimensionen des BDO International Business Compass. Das Pro-Kopf-Einkommen korreliert am stärksten mit den übrigen Items dieser Dimension. Für die sechs Items der Dimension Politische Rahmenbedingungen beträgt die Maßzahl 0,9260; hier korreliert der Indikator Regulatorische Qualität am stärksten mit den übrigen Items. Für die Dimension Soziale Rahmenbedingungen erreicht Cronbachs Alpha einen Wert von 0,6828; also ein knapp hinreichender Wert des Reliabilitätskoeffizienten. In dieser Dimension korreliert Bildung am stärksten mit den übrigen Items des Teilindex.

Die Teilindizes Absatzmarkt und Produktionsstandort erreichen beide über dem Schwellenwert liegende Werte, was für eine relativ hohe interne Konsistenz der beiden Subindizes spricht. Cronbachs Alpha für den Subindex Absatzmarkt beträgt 0,7450. Die Pro-Kopf-Konsumausgaben sind das Item, das am stärksten mit den anderen Bestandteilen korreliert. Für den Subindex Produktionsstandort beträgt der Alpha Koeffizient 0,8198. Der Indikator Rechtsstaatlichkeit korreliert am stärksten mit den anderen  Items des Teilindex.

Die einzelnen Indikatoren korrelieren miteinander, aber nicht übermäßig, was darauf hindeutet, dass die Variablen verschiedene statistische Dimensionen in den Daten messen. Bei einem Signifikanzniveau von 5 % korrelieren bei der Dimension Ökonomische Rahmenbedingungen die beiden Indikatoren Qualität der Infrastruktur und Pro-Kopf-Einkommen am stärksten miteinander, mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,7836. Die Indikatoren Korruption und Rechtsstaatlichkeit sind in der Dimension Politische Rahmenbedingungen am stärksten korreliert, mit einem Koeffizienten von 0,9507.[5] Bei den Sozialen Rahmenbedingungen korrelieren Bildung und Gesundheit mit einem Koeffizienten von 0,7799 am stärksten. In Bezug auf den Teilindex Absatzmarkt ist festzustellen, dass die Pro-Kopf-Konsumausgaben stark mit der Qualität der Infrastruktur korrelieren, mit einem Koeffizienten von 0,8268. Die Indikatoren Rechtsstaatlichkeit und Lohnkosten des Teilindex Produktion korrelieren stark, mit einem Koeffizienten von 0,7921.



1 Deswegen schien eine Hauptkomponentenanalyse wenig sinnvoll, da diese zum Ziel hat, die Varianz in den beobachteten Daten durch einige wenige Linearkombinationen der Originaldaten zu erklären; das heißt die unkorrelierten Variablen, die Hauptkomponenten, zu identifizieren, die als Linearkombinationen einen großen Teil der Varianz in den Daten erklären. (Vgl. OECD (2008), 63). In unserem Fall sind aber die ausgewählten Indikatoren durch den theoretischen Rahmen begründet und ihre Reduktion daher unerwünscht.

2 Vgl. Cronbach (1951).

3 Cronbachs Alpha misst das Ausmaß, in dem die Indikatoren einer Skala miteinander in Beziehung stehen. Die Maßzahl steigt mit der Anzahl der Items und der Kovarianz jeden Paares an. Wenn die Items nicht miteinander korrelieren, die individuellen Indikatoren also unabhängig sind, beträgt Cronbachs Alpha Null. Korrelieren die Items perfekt, beträgt die Maßzahl eins. (Vgl. OECD (2008), 72)

Zusätzlich wurde auch untersucht, inwieweit Cronbachs Alpha variiert, wenn jeweils ein Indikator nicht berücksichtigt wird. Erhöht sich Cronbachs Alpha nach Ausschluss eines Indikators, spricht das dafür, dass dieser Indikator nicht mit den übrigen Indikatoren hochkorreliert ist (Vgl. OECD (2008, 73). Für verschiedene Indikatoren wurde eine kleine Erhöhung des Cronbachs Alpha beobachtet. Beispielsweise erhöht sich in der Komponente Ökonomische Rahmenbedingungen die Maßzahl von 0,7412 auf 0,7679, wenn das Item Staatsverschuldung nicht berücksichtigt wird. Allerdings waren die Änderungen in der Regel minimal, so dass kein Handlungsbedarf gegeben schien, auch vor dem Hintergrund, dass die Auswahl der Indikatoren durch den theoretischen Rahmen begründet ist. Es ist sinnvoller, eine theoretisch begründete Variable im Modell zu belassen, trotz einer leichten Erhöhung des Cronbachs Alpha, als den Wert des Cronbachs Alpha zu optimieren und deswegen eine wichtige Variable nicht weiter zu berücksichtigen.

4 Für gewöhnlich wird ein Reliabilitätskoeffizient von mindestens 0.70 als akzeptabel angesehen (Vgl. Nunnally/Bernstein 1994, 264-265).

5 Per Definition hängen die beiden Indikatoren miteinander zusammen. Prinzipiell ist ein derart hoher Korrelationskoeffizient wenig wünschenswert. Dennoch schien es sinnvoll, beide Indikatoren zu verwenden, weil sie verschiedene Aspekte derselben Dimension messen.